Wie ein Film entsteht
 
1. Vorbereiten (für einen Reisefilm)
     - Reiseroute auf der Karte erkunden
     - Reiseführer lesen - Bildbände ansehen
     - wichtige Namen und Orte einprägen
     - Bänder kodieren
     - Kamera + Zubehör überprüfen
     - unbedingt Stativ mitnehmen
 
2. Filmen
    - nur filmen, was gefällt + interessant ist
    - nicht filmen, wenn keine Zeit da ist
    - mit der Reiseleitung über Fotostops sprechen
    - nicht nur Bauwerke + Denkmäler filmen
    - sondern viele Menschen und was sie machen
    - ganze Abläufe festhalten
    - Totale, Halbtotale, Nah- + Großaufnahmen
    - wenig zoomen, nur dann, wenn der Zoom der Erklärung dient
    - Schwenks nur selten machen, und wenn, nur mit Stativ
    - nicht das Bild soll sich bewegen, im Bild muß Bewegung sein
 
3. Wieder zu Hause
    - Kassetten beschriften 
    - Material umgehend sichten
      (Orte und Ereignisse hat man noch frisch im Kopf)
    - Szenen mit Timecode notieren + der Kassette beifügen
 
4. Den Film planen
    - auf keinen Fall von der gesamten Urlaubsreise
      (dafür ist das Rohmaterial da; die Arbeit sollte man sich sparen) 
    - besondere Erlebnisse herausgreifen
      eine Stadt, einen Markt, eine Bootsfahrt, ein Fest, eine Ausgrabungsstätte
    - es muß dazu eine Geschichte erzählt werden
    - Einstieg, Verlauf mit Höhepunkten, Ausstieg
      wie ein Aufsatz in der Schule
 
5. Der Film entsteht zunächst im Kopf (nicht erst beim Schneiden)
    a. die Geschichte
        - was habe ich erlebt und gesehen
        - was habe ich davon filmen können
        - was habe ich erfahren
        - was habe ich empfunden
        - was will ich mit dem Film sagen
        - wem will ich den Film zeigen (Zielgruppe)
     b. Tenor einer Geschichte kann sein:
        - begeistert + schwärmerisch
        - distanziert + sachlich (Dokumentation)
        - persönlich (gutes Stilmittel für Reisefilm)
        - belehrend (Oberlehrerhaft, nicht beliebt)
        - vergleichend oder kritisch
    c. der rote Faden
        - wichtig: ein roter Faden soll sich durch den ganzen Film ziehen
        - jemand führt hindurch, stellt Bauwerke + Menschen vor
        - jemand kann sein: ich selbst, ein Reiseführer, ein Mitreisender, 
          eine historische Figur, ein Fluß, ein Berg oder ein Ziel
 
6. Die Geschichte aufschreiben
     - die Geschichte sollte jetzt im Kopf feststehen
     - keine Schlangensätze
     - keine Sätze aus dem Reiseführer
     - eigenen Wortschatz verwenden
     - niemals das sagen, was der Betrachter ohnehin im Film sieht
     - Frau + Freunde den Text lesen lassen, danach berichtigen
     - hinter die einzelnen Passagen Sprechzeit schreiben
       die Zeit ist wichtig für den Schnitt  
 
7. Den Film schneiden
    - Material aussuchen und auf Festplatte speichern
    - den Szenen Namen geben wegen schnellem Auffinden
    - Achsprünge, Farbsprünge und Bildsprünge vermeiden
    - an Hand des Textes die Szenen auf die Timeline legen
      die Szenen sollten mindestens doppelt so lang sein wie der Text
    - alles zunächst mit harten Schnitten
    - O-Ton vorerst auf - 15 db absenken (kaum hörbar)
 
8. Den Text hinzufügen 
    a. Probetext
        - auf Datenträger sprechen, Versprecher sind hierbei unwichtig
        - von Datenträger in den Computer übernehmen
        - Text unter die Szenen legen
        - Text muß zu den Szenen passen
        - Szenen evtl. verlängern, besser Text kürzen
        - weniger Text ist immer besser
        - 20 Min. Film höchstens 10 Min Text, besser weniger, vielleicht 8 Min
    b. endgültiger Text
        - keine Angst vor der eignen Stimme + Sprache
        - auf keinen Fall bewußt hochdeutsch + endenbetont reden
        - fehlerfrei neu auf Tonträger sprechen
        - unbedingt mehrere Male, bestes Ergebnis verwenden
        - Text vom Tonträger auf Festplatte übernehmen
        - bearbeiten, einzelne Passagen leiser oder lauten
        - Text auf -2 db normalisieren (dadurch keine Übersteuerung)
        - neuen Text auf Timeline legen; Probetext löschen
 
9. Überblendungen einsetzen
    - sparsam einsetzen, möglichst nur eine Art
      am besten eine einfache Überblendung
    - bei Orts- oder Zeitwechsel
    - evtl. auch bei Szenenwechsel
    - bei sich ähnelnden Motiven wegen Bildsprüngen
      (wenn Bildsprünge trotz Umsetzen der Clips bleiben)
    - eine Blende ist immer ein Hilfsmittel, niemals ein Stilmittel
 
10. O-Ton bearbeiten
    - wichtig für die Atmosphäre
    - bei gesprochenem Text O-Ton leiser, jedoch Tonlöcher vermeiden
    - Übergänge schaffen, evtl. durch Kreuzblenden beim O-Ton
    - schlechten O-Ton (z.B. Windblubbern oder unpassende Geräusche) ersetzen
      durch Nachbar-O-Töne oder Geräusche-CD
    - ermitteln, wo Musik eingesetzt werden soll, immer sparsam, Film nie totdudeln
    - O-Ton an diesen Stellen evtl. absenken oder ganz herausnehmen
      Atmosphäre wird entweder durch O-Ton oder Musik erzeugt,
      beides kann, besonders wenn zu laut, zu Irritationen führen
 
11. Titel + Abspann
      - viele Gedanken machen
      - nicht den Filminhalt vorab verraten
      - Titel soll Erwartungen + Neugier wecken
      - Der Film muß jedoch die erzeugten Erwartungen des Titels erfüllen
      - passende Schrift wählen (es gibt wirklich schöne Schriften)
      - alles bombastische vermeiden
        sowohl beim Titel als auch beim Abspann (Mayer-Film präsentiert:) schrecklich!
 
12. Musik auswählen und einfügen
      - sehr schwierig, lange suchen
      - niemals Lieblingsmusik oder bekannte Stücke verwenden
      - sie muß zum Film + den Szenen passen, landesüblich + stimmungsmäßig
      - soll Themen bezogen sein + unterstützend wirken
      - immer sehr sparsam und nicht zu laut
      - die beste Musik ist die, die der Zuschauer nicht bemerkt
      - Sprache muß deutlich bleiben, diese aber nie im Pegel erhöhen
      - Musikpegel absenken, Musik muß sich unterordnen
      - bei Sprachpassagen Musikpegel nie plötzlich erhöhen oder absenken
        immer weiche und kaum merkliche Übergänge schaffen (Kreuzblenden)
      - Musik, die am Anfang verwendet wird, kann auch am Filmende eingesetzt werden
      - Musik niemals plötzlich ein- oder ausblenden, immer weich + Takte beachten
      - wenn Musikstück zu lang ist, in der Mitte schneiden (Kreutzblende)      
      - zum Überprüfen des richtigen Mischverhältnisses TV / Lautsprecher laut machen
      
13. Produktion ist fertig
      - einige Tage nicht mehr ansehen
      - danach mehrmals ansehen + kritisch überprüfen, evtl. ändern
      - Freunden + Clubkammeraden zeigen und um ehrliche Meinung bitten
      - Kritik überdenken und Film evtl. nachbessern
      - Masterband und evtl. auch ein sep. Vorführband anfertigen
      - jeden Film auf eine separate Kassette ausspielen
        (Sie haben viel Arbeit invertiert; die ist mind. 2 Euro = 1 Kassette wert, oder?)
      - Startmarke einspielen und danach mind. 10 Sek. Vorspann lassen        
      - schönes Cover drucken
 
 

Entwurf und Gestaltung: Reinhard Merke

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